Vielfalt und Jahrgangsmischung in der Grundschule

In der Grundschule findet der Unterricht jahrgangsgemischt statt. In den Lerngruppen sind dafür Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 1/2/3 und 4/5/6 zusammengefasst.

Die Jahrgangsmischung ist ein wesentlicher Aspekt der Montessori-Pädagogik. Nicht nur Erwachsene sollen Anregungen geben, auch Schülerinnen und Schüler können miteinander und voneinander lernen. Soziale Regeln werden den Neuen in der Klasse vorgelebt. Die Integration der jüngeren Kinder erfolgt mit Hilfe der ganzen Gruppe. Mit jedem nächsten Schulanfang entsteht von Neuem die verantwortungsvolle Aufgabe, jüngeren Schülern zu helfen, sich in die Schule bzw. in die nächste Stufe einzuleben.

Langsam und schnell lernende Kinder profitieren gleichermaßen von der Jahrgangsmischung. Während sich langsam Lernende in einer jahrgangsreinen Klasse über die gesamte Schulzeit als „Schlusslicht“ fühlen, besitzen Sie an unserer Schule die Möglichkeit, jüngeren Mitschülern auch Hilfestellungen und Anregungen geben zu können. So erleben sie sich im positiven Sinn in verschiedenen Rollen.

Schnelle Lerner können ebenfalls die lernförderlichen Effekte eines peer-to-peer-teachings nutzen. Nach längerer Forschung im Bereich „Lernen durch Lehren“ hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein nachhaltiger Lernfortschritt insbesondere dann zu verzeichnen ist, wenn man die Möglichkeit hat, sein neu erworbenes Wissen anderen zu vermitteln. Durch die Jahrgangsmischung und den Projektunterricht ergibt sich hierzu eine Vielzahl an Gelegenheiten. In jeder Lerngruppe ist die Schülerschaft unterschiedlich in Bezug auf Interessen, Herkunft sowie intellektuelle, sprachliche, künstlerische und körperliche Voraussetzungen.

Die Montessoripädagogik berücksichtigt diese Unterschiede durch eine Differenzierung über das Unterrichtsmaterial, die Öffnung der Unterrichtssituationen, themenorientiertes fächerverbindendes Arbeiten und Projektlernen. Im Unterricht arbeiten die Schülerinnen und Schüler teilweise themengleich, teilweise zu unterschiedlichen Fächern nebeneinander (Freiarbeit). Die Pädagog*in beobachtet den Prozess, gibt gezielt Impulse, initiiert Lernprozesse und reflektiert sie gemeinsam mit den Lernenden. Da verschiedene Aspekte des Unterrichtsinhaltes bearbeitet und individuelle Lernwege gewählt werden, entsteht ein facettenreiches Bild der Welt. Die Schülerinnen und Schüler unterstützen sich zudem gegenseitig beim Lernen, fragen bei anderen nach oder geben ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weiter.

Vielfalt verstehen wir in diesem Sinne als Bereicherung.

Alle Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung füreinander. Sie helfen sich, wo körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen es erfordern. Ziel ist dabei stets, die Selbstständigkeit aller Schülerinnen und Schüler zu erhöhen und durch die gemeinsame Verantwortungsübernahme, eine gleichberechtigte Teilhabe aller an der Gesellschaft zu ermöglichen.

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