Lernbüros – Freiarbeit und vorbereitete Umgebung für die Sekundarstufe I

Ein Lernen, das nachhaltig ist, findet nach Maria Montessori dann statt, wenn das Kind selbst aktiv entscheiden kann über Inhalte, Lerntempo und Lernverfahren:

„Durch freie Aktivität kann das Kind einen Menschen aus sich bilden.“

Eine wichtige Grundannahme der Montessori-Pädagogik ist es, dass Kinder lernen wollen und dies aus eigener Initiative auch tun, wenn der Lernraum so gestaltet ist, dass dafür die Möglichkeit besteht. Die „vorbereitete Umgebung“ bedeutet, dass das Lernumfeld so strukturiert ist, dass Materialien übersichtlich geordnet sind und die Lernenden wissen, wie sie zu bedienen sind.  Die Lehrer*innen als Lernbegleiter haben die Aufgabe, genau zu beobachten, Entwicklungsprozesse zu dokumentieren und Hilfestellung zu geben, solange diese benötigt wird. Auch die Materialien passen die Pädagogen so an, dass sie den Bedürfnissen der Lernenden entsprechen.

Um diese Prinzipien in der Sekundarstufe I anwenden zu können, sind herkömmliche Schulbücher und Arbeitsblätter nur bedingt tauglich. Unser Konzept baut darauf auf, dass in „Lernbüros“ Themen in sogenannten „Lernbausteinen“ aufbereitet zur Verfügung stehen. Jede*r Jugendliche hat die Wahl, welches Lernbüro besucht wird und welchen Lernbaustein sie*er bearbeitet. Lernbüros gibt es mittlerweile an vielen Schulen, da sie sich als „didaktische Organisationsform für selbstgesteuertes Lernen“ bewährt haben. Am Schulzentrum am Stern gibt es Lernbüros für Deutsch, Englisch, Mathematik und das Lernbüro Naturwissenschaften, welche jeweils an drei von vier Wochentagen „geöffnet“ sind. Die Themen und Kompetenzen, die für die Lernbausteine gewählt werden, orientieren sich am Rahmenlehrplan des Landes Brandenburg und sind so gewählt, dass selbstständiges und praktisches Tun, Entdecken und Problemlösen Grundprinzipien sind. Wir haben viele unserer Lernbausteine selbst entwickelt und passen sie stetig noch mehr an die Bedürfnisse der Lernenden an.

Jeder Lernbaustein ist klar strukturiert. Enthalten ist immer ein „Lernpfad“, dem die Schüler*innen folgen. Dieser Pfad hat Abzweigungen zur Vertiefung und auch unterschiedliche, dem Leistungsniveau oder Herangehensweisen an eine Fragestellung angepasste Wege. Das Ende bildet ein „Check-Out“, bei dem die Lernenden verschiedene Arbeiten und Aufgaben zum Feedback an die Lernbüroleiter*innen der Lernbüros weitergeben. Nach erfolgreichem Abschluss des Lernbausteins erhalten die Schüler*innen ein Zertifikat darüber, in dem auch die erreichten Kompetenzen rückgemeldet werden. Schön gleich zu Beginn jedes Schuljahres wird deutlich, dass jede*r Schüler*in in eigenem Tempo und interessegeleitet lernt – schon nach wenigen Wochen ist keine*r mehr in jedem Lernbüro gleich weit oder mit den gleichen Themen beschäftigt. Diese sehr große Individualisierung bietet das Potential, dass die Lernbüroleiter*innen sehr differenziert und individuell auf die Bedürfnisse aller eingehen müssen. Auch ist es möglich, Hilfestrukturen zu installieren, die dazu führen, dass sich Schüler*innen gegenseitig unterstützen.

Zudem gibt es das Lernbüro „Fördern“, in dem differenzierte und individuelle Angebote für Kinder mit Förderbedarf in Kleingruppen angeboten werden. Hier ist Raum für besondere Bedürfnisse, z.B. eng betreut an den Lernbausteinen der anderen Lernbüros zu arbeiten, auf dem eigenen Kompetenzniveau mit speziellen Fördermaterialien gefördert zu werden wie auch lebenspraktische Übungen wie Kochen oder Handwerken zu praktizieren.

Nicht jedem Kind fällt es zu Beginn leicht, mit dieser Lernfreiheit umzugehen – vor allem, wenn sie eine solche Art des Lernens nicht aus ihrer bisherigen Lernbiografie gewohnt sind. Wir sind sensibilisiert dafür und begleiten den Weg jedes Kindes und Jugendlichen achtsam. Das Ziel bleibt – Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.

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