Jugendschule – was ist das?

In der Montessoripädagogik werden die Entwicklungsschritte des Kindes zum Erwachsenen als sensible Phasen bezeichnet, in denen die Aufnahmefähigkeit für bestimmte Lerninhalte besonders ausgeprägt ist und die durch große Neugier, Konzentrationsfähigkeit und Beobachtungsgabe gekennzeichnet sind. Das moralische und soziale Bewusstsein entwickelt sich und ist Voraussetzung für die sozialen Bedürfnisse, in Beziehungen zu leben und verantwortungsvoll zu handeln. Diese sozialen Bedürfnisse werden pädagogisch unterstützt. Durch eigenes praktisches Arbeiten und eigene Erfahrungen, werden sich die Jugendlichen ihrer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber bewusst und verstehen sich als Teil dieser Gesellschaft. Um in diesen großen Zusammenhängen in der Natur mit Jugendlichen arbeiten zu können, ist es in der Montessoripädagogik für die Klassenstufen 7/8 ein Bestandteil des Unterrichts, einen Teil der Unterrichtszeit an einem außerschulischen naturnahen Lernort zu verbringen – an der Jugendschule. Hier ist ein Arbeiten und Erfahrungen sammeln auf vielfältige Weise möglich.

Der Aufbau der Jugendschule wird im Schuljahr 2018/2019 als Projekt im Rahmen der INITIATIVE SEKUNDARSTUFE I (INISEK) gefördert durch das Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg. Weitere Informationen zur Förderung durch den ESF finden Sie unter www.esf.brandenburg.de und www.ec.europa.eu.

Das Sommerhalbjahr 2019

Es geht weiter

Dank der schnellen Hilfe von Daniel Zeller und Dank unserem Förderverein, der die Baumpflegearbeiten finanziert hat, können wir pünktlich zu Beginn des zweiten Halbjahres wieder auf unser Nuthegrundstück, die begonnenen Arbeiten fortsetzen und mit neuen Projekten starten. Auch bei Holz-Possling bedanken wir uns ganz herzlich, denn durch eine großzügige Holzspende haben wir genügend Bauholz zur Verfügung. Passend zum Frühling werden Hoch- und Frühbeete gebaut und Nistkästen für verschiedene Vogelarten: Halbhöhlenbrüter wie der Hausrotschwanz oder Blau- und Kohlmeise.

Unser Unterstand ist regenfest und die Feuerstelle täglich in Betrieb. Für zusätzliche Gemütlichkeit sorgen verschiedene selbstgebaute Sitzgelegenheiten.

Unsere schicke Kompost-Trenntoilette bekommt ein richtiges Häuschen drumherum mit ausgelagertem Urintank. Direkt nebenan steht der Schnellkomposter in dem die festen Bestandteile vermischt mit Rindenmulch vor sich hin kompostieren können. Der Inhalt des Urintanks kann im Verhältnis 1:8 gemischt als Düngung verwendet werden. Ein besonders schönes stilles Örtchen ist entstanden, mit wunderbarem Blick übers weite Feld.

Auch ein stabiler Werkzeugschuppen ist im Entstehen. Die Rückwand und die beiden Seitenwände sind bereits gebaut und bald werden wir unsere Werkzeuge ordentlich aufhängen können.

Frühlingserwachen

Die Hochbeete werden schichtweise mit Ästen, verrottendem Laub, Grassoden, Kompost und Erde gefüllt. In einigen Tagen werden wir eine große Lieferung Pferdemist bekommen, die noch in die oberste Erdschicht eingearbeitet werden muss und dann können wir lospflanzen.

Auf der Freifläche neben der Obstwiese experimentieren wir mit verschiedenen Beetarten. Wir haben bereits Flächen für Hügelbeete freigelegt, zwei sind Ost-West und eins Nord-Süd ausgerichtet und wir werden beobachten, wie sich das aufs Pflanzenwachstum auswirkt. Die etwa 15cm tiefen Erdmulden werden mit verschiedenen Schichten hügelartig aufgebaut. Wie in den Hochbeeten auch, können wir hier große Mengen an Kastanienlaub unterbringen, das dann von einer Erdschicht bedeckt und langsam zersetzt wird. Damit können wir die als Puppen im Laub überwinternden Miniermotten eindämmen und für die winzigen Falter wird es kein Frühlingserwachen geben.

In der Mulde, die durch den Erdaushub für die Hochbeete entstanden ist, haben wir ein Kraterbeet angelegt. Durch Kompostiervorgänge entsteht in der Vertiefung des Beetes Wärme, die für einen hohen und frühen Ertrag sorgen soll. Der Steinwall um die Erdmulde schützt die Pflanzen vor Kälte und Wind. Auf dem inneren Steinkreis kann auch die Mitte des Kraterbeetes für Pflege- und Erntearbeiten erreicht werden, außerdem speichern die Steine tagsüber zusätzliche Wärme, die nachts abgegeben wird.

Das schönste Klohäuschen der Welt

Das steht bei uns. Da wurde wirklich Herzblut reingesteckt, wie die Bilder zeigen. Das ehemalige Übergangsklo haben wir komplett zurückgebaut.

Kleine Impressionen

Es ist immer was zu tun und in Veränderung. Unseren Unterstand müssen wir neu überdenken, da die Plane den Sturmböen nicht standgehalten hat. Die Feuerstelle ist bereits mehrfach umgezogen und jedes Mal ist es schön, drum herum zu sitzen und etwas in die Flammen zu halten. In aufgeschichteten Ziegelöfchenen wurde Fisch gegart, leere Wasserkanister geben ein prima Schlagzeug ab und wenn die Sonne schein, muss man sie sich manchmal einfach ins Gesicht strahlen lassen.

Der Geräteschuppen

Für den Geräteschuppen wurde extra ein Stellplatz aus Ziegeln gepflastert, auf dem die vier Holzwände dann aufgebaut und mit Lochplatten verbunden wurden. Zum Schluss haben wir als provisorisches Dach noch eine Folie raufgetackert, da wir aufgrund der Let’s play-Woche und der Themenfahrt in den nächsten zwei Wochen nicht auf dem Grundstück sind. Endlich können wir die Geräte und Wrkzeuge einigermaßen nässegeschützt aufbewahren.

Aktion Gartenteich

Unser Grundstück wird direkt von der Nuthe begrenzt – an Wasser herrscht also kein Mangel. Nichtsdestotrotz wird voller Elan ein Gartenteich gegraben und ein zusätzliches Biotop angelegt. Nach einer ersten Planung mit Abstecken der Fläche wird eine Grube mit einem Durchmesser von etwa 5 Metern ausgehoben. Es werden Stufen eingearbeitet für die Sumpfzone (10 – 20 cm tief), Flachwasserzone (40 – 50 cm tief) und die Tiefwasserzone (etwa 130 cm tief). Für und Wider des Abdichtens ganz konventionell mit Folie oder naturnah mit einer Tonschicht diskutieren wir noch.


Das erste Halbjahr 2018/2019

Es geht los

Von einem Landwirt in Nuthetal können wir ein verwunschenes, zugewachsenes Grundstück pachten mit versteckter Obstbaumwiese, vielen alten Bäumen, Überresten einer Ruine und jeder Menge Möglichkeiten, mit anzupacken und mitzugestalten. An einer Seite wird das Grundstück von der Nuthe begrenzt. Nach der Kennenlernwoche beginnen wir damit, uns einen Überblick über das Gelände zu verschaffen. Wir richten einen Sammelplatz ein, der mit einer großen Plane überdacht wird. Wir legen die Obstbaumwiese frei und entdecken unter einem zugewuchterten Drahtzaun kleine Miniapfelbäumchen.

Operation Utedo

Utedo kommt aus dem Norwegischen und heißt soviel wie Draußenklo – und genau das brauchen wir hier. Bevor es an den Bau eines ausgefeilten Kompostklos geht, wird erstmal ein behelfsmäßiger Prototyp aus Eimern, Holz und Planen errichtet. Der Bau geht zügig und mit Freude voran, aber wir merken schnell, dass wir uns hier eine professionellere Lösung überlegen sollten. Der Schul-Förderverein finanziert uns einen Kompostklo-Bausatz, den wir in den nächsten Tagen aufbauen möchten. Auch ein Schnellkomposter gehört dazu – hier werden wir beobachten, wie unter aeroben Bedingungen in wenigen Wochen Kot in Humuserde verwandelt wird. Nach zwei Jahren Reifezeit kann solche Erde weiterverwendet werden, z.B. zum Düngen von Obstbäumen oder Stauden.

Zugang zur Nuthe

Unser Grundstück wird an einer Seite von der Nuthe begrenzt. Alle möchten gern direkt an den Fluß gelangen, zumal einige schon das Glück hatten, kurz einen Biber zu beobachten und einen Eisvogel als blauen Blitz vorbeizischen zu sehen. Wir suchen eine Möglichkeit, die steile und zugewucherte Böschung begehbar zu machen. Es wird eine kleine Fläche freigelegt, von der aus wir uns immer weiter nach unten arbeiten. Am Flußufer beginnen wir damit, einen Steg zu bauen, damit wir einen direkten Flußzugang haben.

Bäume fällen

Einige Bäume auf dem Grundstück sind tot. Wir haben diese Bereiche mit Flatterband abgesperrt. Nach wenigen Wochen kommt Baumagent Daniel Zeller mit seinem Sohn und einem ganzen Auto voller Ausrüstung vorbei und fällt ehrenamtlich insgesamt vier tote Bäume. Um den jeweiligen Baum wird ein Seil gelegt und per Seilwinde die Spannung erhöht. Auch unsere Spannung steigt immer weiter und plötzlich – nach einem kurzen Moment der Stille kracht der Baum mit lautem Getöse in die gewünschte Richtung zu Boden. Der Baumagent zerteilt den Stamm in transportable Stücke und sägt auch die Äste ab. Anschließend geht es zu wie auf einem Ameisenhaufen. Alle packen mit an und wir schaffen es gemeinsam, den riesigen Baum wegzurollen und wegzutragen. Das ist ein tolles Erlebnis. Aus den Stammstücken werden gemütliche Hocker für unseren Sammelplatz.

Verpflegung

Da wir momentan noch nicht kochen können, hat unsere Expertin fürs Kochen Kerstin Rund einen Nutheburger-Contest ausgerufen. In allen Lerngruppen wird eine Kochgruppe gebildet, die sich ums Organisieren der Zutaten, Vorbereitung, Zubereitung und ums Aufräumen kümmert. Den Nutheburger kann sich jede*r nach Lust und Laune belegen und am Ende haben alle die beste Kombination für sich gefunden. In der darauffolgen Woche bekommen wir von einem Vater einen Gasherd und große Töpfe, so dass einem baldigen Kochen nichts mehr im Wege steht. Doch vorher müssen wir eine stabile Kochstelle einrichten.

Aufräumen

Vor vielen Jahren stand hier das damals angesagte Ausflugslokal „Burgklause“, das aber in den letzten fünfzehn Jahren leider mehrmals durch Brandstiftungen beschädigt und zerstört wurde. Übrig geblieben ist eine Ruine, die wir mit Flatterband abgesperrt haben. Viele Steinhaufen, Holzstapel und Schuttreste liegen im Weg und wir möchten aufräumen, um das Gelände übersichtlicher zu gestalten und weil es schöner aussieht. Einen großen Holzstapel sortieren wir in noch brauchbare Bretter und verkohlte Reste. Einige besonders geduldige Schüler*innen entfernen eine große Menge an Nägeln aus den noch nutzbaren Brettern. Außerdem bekommen wir von Holz-Possling einen großen Anhänger mit vielen guten Brettern geschenkt. Herr Killat, unser Landwirt, fährt uns das Holz aufs Gelände, wo wir es abladen, sortieren und lagern. Es gibt schon erste Pläne und Bauzeichnungen für einen Unterstand, denn spätestens im Winter brauchen wir einen wind- und wettergeschützen Raum.

Wir haben ein Müllproblem

Unter einem der gefällten toten Bäume finden wir neben verbrannten Überresten der Burgklause auch sehr viel anderen Müll. Wir sperren das Gebiet ab, da wir erst einmal bestimmen müssen, um welche Art Müll es sich hier handelt. Nach kurzer Überlegung beschließen wir, das Grundstück bis auf Weiteres zu schließen und ein Entsorgungskonzept zu erarbeiten. Es zeigt sich, dass die bisherigen Wochen uns allen große Freude gemacht haben. Wir alle hoffen, hier bald wieder arbeiten und viele Ideen verwirklichen zu können.

Erkunden der Parforceheide und Urban Gardening

Obwohl wir nicht an die Nuthe können, gehen wir raus und erforschen die nähere Umgebung. Nicht weit entfernt von der Schule steht das Jagdschloss Stern und direkt dahinter beginnt die Parforceheide. Der Mischwald ist im Herbst ein idealer Ort, um Waldsofas zu errichten, Laubhütten mit anschließendem Wasserdichtigkeitstest zu bauen und auf Spurensuche zu gehen. In den Kiefernstämmen finden wir viele eingeklemmte Bucheckern – hier haben Spechte es sich schmecken lassen. Außerdem beschäftigen wir uns mit dem Thema Urban Gardening – Gärtnern in der Stadt. Wir schauen verschiedene Urban-Gardening-Projekte in Potsdam an und beginnen mit Planungen auf den Grünflächen des Bürgerhauses am Stern.

Baumpflege und winterliche Natur an der Nuthe

Auf dem vermüllten Bereich hat der Schadstoffexperte Kurt Klimsa Bodenproben genommen. Auf dessen Grundlage wird dann die Entsorgung organisiert. Auf dem Rest der Fläche gibt es keinerlei Verdachtsmomente, daher können wir nach der notwendigen Baumpflege das Grundstück wieder nutzen. Daniel und Jonathan Zeller sind mit Seilen und Sägen angerückt und entfernen tote Äste aus den Bäumen, zum Teil in luftiger Höhe.

Unser Grundstück ist ein kleines Naturparadies mit vielen Tieren und Tierspuren. Auf der Nuthe fliegt regelmäßig ein Eisvogel flußauf- und flußabwärts, der Biber lässt es sich ordentlich schmecken und hat eine Biberrutsche angelegt, Hasen und Rehe springen übers Feld davon. Neben zahlreichen Graureihern stehen auch etliche Silberreiher in den feuchten Wiesen und ein kleiner Trupp Schwanzmeisen huscht wie kleine Federbälle durchs Gebüsch.