Lesung Carolin Rosales „Sexuell Verfügbar“

Am Dienstag vor den Winterferien erlebten Schülerinnen und Schüler der Oberstufe eine beeindruckende Lesung von der Autorin, Regisseurin und Journalistin Caroline Rosales. Eingeladen von Teilnehmerinnen des Seminarkurses „Antidiskriminierung“, unterstützt vom Förderverein, stellte sie Frau Rosales ihr autobiographisches Sachbuch „Sexuell verfügbar“ vor, das bereits für Aufsehen sorgte und als Serie adaptiert wurde. Neugierig lauschten rund 60 Zuhörende den verschiedenen Ausschnitten. Im Fokus standen die Erfahrungen, die sie in ihrer Zeit als Berufsanfängerin in einer Zeitungsredaktion machte. Im Kapitel „Dunkelheit“, aus dem sie hauptsächlich las, berichtete sie von einem traumatischen Vorfall, der sie nicht nur persönlich, sondern auch beruflich prägte – dem sexuellen Missbrauch durch ihren Chef.
Mit klaren Worten warnte Rosales vor den Gefahren von Incels und der sogenannten Manosphere, sowie vor bekannten Figuren wie Andrew Tate, deren frauenfeindliche Ideologien gerade bei jungen Männern gefährlich populär sind. Diese Themen stießen auf großes Interesse im Publikum, und es entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch zwischen der Autorin und den Zuhörenden. Fragen zur Sicherheit von Berufseinsteigerinnen und zu den Herausforderungen in männerdominierten Branchen standen dabei im Vordergrund. Rosales riet, von Anfang an auf einen guten Betrieb zu achten, der über Diskriminierungsbeauftragte verfügt und ein unterstützendes Arbeitsumfeld bietet.

Die #MeToo-Bewegung warfür Rosales ein bedeutender Wendepunkt in der Diskussion über sexuelle Gewalt und Diskriminierung in der Arbeitswelt. Sie teilte mit, dass nur etwa 7 % aller Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht werden und davon lediglich 2 % zu einer Verurteilung führen. Ein Zitat von Margret Atwood, das die Zuhörenden besonders berührte, lautete: „Männer haben Angst davor, von Frauen ausgelacht zu werden, Frauen haben Angst davor, von Männern umgebracht zu werden.“ Diese Worte unterstrichen die tief verwurzelten Ängste und Machtverhältnisse, die in der Gesellschaft bestehen und verdeutlichten die Wichtigkeit der anhaltenden Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit.
Die Lesung von Carolin Rosales war nicht nur eine literarische Veranstaltung, sondern ein Beitrag zur Sensibilisierung rund um Diskriminierungsfragen. Sie ist Teil einer Reihe, die mit der Lesung von Tupokate Ogete und ihrem Bestseller „Und jetzt du – Rassismuskritisch leben“ begann. Parallel dazu bieten die Seminarkursteilnehmenden Workshops in jüngeren Klassen an, wo Themen wie Bodyshaming, rechte Codes und Zivilcourage im Vordergrund stehen.
Aurelia, Leandra, Sophie (Seminarkurs Antidiskriminierung/Kir)

